• Anfang der Dreißiger Jahre

    Die Frühepoche

    Nach mündlichen Überlieferungen gehen die ersten Anfänge der Leichtathletik in Neckarsulm auf den Beginn der Dreißiger Jahre zurück. In dieser Frühepoche waren es einige Individualisten – meist aus dem Turnerlager des Deutschen- und Freien Turnvereins kommend – welche ihren Neigungen folgend sich zu kleinsten Trainingskreisen zusammenschlossen. Der deutsche Sport war in dieser Zeit in bürgerliche, sozialistische und konfessionelle Gruppen nebeneinander gegliedert. Dies erschwerte jedes fruchtbringende gemeinschaftliche Denken – so auch bei uns. Danach kam die staatlich angeordnete Koordinierung und wenige Jahre später schon der II. Weltkrieg, der sich auch im Sport negativ auswirkte.

  • Ende 1945

    Nach dem zweiten Weltkrieg

    Nach diesen schrecklichen Jahren begannen im Neckarsulmer Leichtathletik-Sport bereits Ende 1945 die ersten Aktivitäten – also schon vor der Gründung der Sportvereinigung, die 1946 erfolgte. Treibende Kraft war kurz nach dem II. Weltkrieg Eugen Matzger, der sich in Neckarsulm entscheidend für diese Sportart einsetzte. Matzger, der zugleich auch einen guten Namen im Handballsport hatte, nutzte seine starke Bindung für die Leichtathleten aus und begeisterte veranlagte Handballer auch für diese Disziplinen. Namen wie Werner Möse, Harry Plakk, Helmut Kimmerle, Erich Stark – um hier nur einige davon zu nennen – wurden zu einem Begriff über die Grenzen der Stadt hinaus. In den Folgejahren reifte dann, durch systematisch betriebene Jugendarbeit, schon eigener Nachwuchs heran. Der Wunsch sich in einer Abteilung zu organisieren wurde aber immer stärker, dass man über die Gründung einer eigenen Sparte nachdachte.

    Ende 1945

  • 1952

    Offizielle Gründung

    Nachdem bereits im Jahre 1946 die Sportvereinigung Neckarsulm gegründet wurde – worin alle früheren Vorgängervereine aufgingen – konstituierte sich dann 1952 die Abteilung  zu einer selbständigen Sparte innerhalb des Hauptvereins. Die beiden offiziellen Gründer der Leichtathletik-Abteilung waren Artur Matt und Karl Stein. Schon nach kurzer Zeit trug die Nachwuchsarbeit bereits erste Früchte und SVN-Athleten wurden nun in Württemberg und darüber hinaus zu einem festen Begriff. Trainingsort und Wettkampfstätte waren anfangs noch der Sportplatz „Einfahrbahn“ (heute von Audi-Produktionshallen überbaut) – später ab Ende der 50er Jahre dann der Sportplatz Pichterich. Die herausragenden Athleten waren in dieser Zeit Günter Leitz und Jutta Jüttner, die auf Landes- bis zur Bundesebene erfolgreiche Wettkämpfe bestritten und in diesen Jahren auch vom Verband zu mehreren Länderkämpfen im In- und Ausland eingeladen waren.

    Anfang der 60er Jahre kamen als Leistungsträger noch Birgit Fernau, Isolde Siegmann, Ilse Haag, Dieter Kohl und Franz Löhe hinzu. Dass die Sportvereinigung in unserer Region damals im Jugend- und Aktivenbereich eine schlagkräftige Truppe beisammen hatte, zeigen heute die vielen damals von der Presse publizierten Wettkämpfe und Meisterschaften. Stark und führend war die Sportvereinigung auch bei erfolgreichen Mannschafts-Vergleichskämpfen. So wie beispielsweise 1959 – noch vor dem „Mauerbau“ in Dresden mit dem Verein BSG Stahl Freital – und auch die seinerzeit regelmäßig durchgeführten Durchgänge zur DMM und DJMM (Deutsche Mannschafts-Meisterschaft). Diese besonders erfolgreiche Epoche der Leichtathletik-Anfangsjahre führte dann bis Mitte der 60er Jahre, wo das Team nach und nach auseinander fiel.

  • 1952

    Große Verdienste durch Artur Matt

    Nachdem Artur Matt 1952 die Leitung der Abteilung übernommen hatte, wurden von ihm später von 1955 bis 1964 alle Funktionen der Sparte Leichtathletik in Personalunion wahrgenommen. Ihm kommt im ersten Jahrzehnt ein wesentlicher Anteil an der Entwicklung der Abteilung zu. Er hatte in den Anfangsjahren bei sportlichen Anlässen – oder wenn einmal Not am Mann war die Unterstützung ehemaliger Aktiver wie durch Karl Stein, Wilhelm Wagner, Erwin Müller und Karl Vollnhals, welche der Abteilung immer mit Rat und Tat beistanden. Von 1964 bis 1968 stellte sich dann Artur Matt nochmals als Trainer zu Verfügung, damit es in dieser schwierigen Zeit bei den Leichtathleten überhaupt weiterging. Für seine Verdienste ernannte ihn die Abteilung zum Ehren-Spartenleiter, sowie später der Hauptverein zum Ehrenmitglied der Sportvereinigung Neckarsulm. Matt ist auch heute noch mit der Sparte verbunden.

    1952

  • Mitte der 60er Jahre

    Talsohle in der Leichtathletik

    Nach den beispielhaften ersten 12 bis 15 Jahren der Abteilung kam Mitte der 60er Jahre dann eine große Stagnation. Dies stellte die bisherige Talsohle in der ansonsten sehr positiven Entwicklung der Abteilung dar. Dennoch kam es im Jahre 1967 durch Initiative von SVN-Vorsitzenden Philipp Wesp im Pichterich-Stadion noch zu einem Leichtathletik-Vergleichskampf einer verstärkten Stadtauswahl gegen die TH Braunschweig, wo für damalige Zeiten auch absolute Spitzenleistungen erzielt wurden. Laut der Chronik und Presseberichten erbrachten diese freilich keine Neckarsulmer, sondern die Gäste Dodson und Glöckler vom USC Heidelberg, die mit 10,6 Sek. über 100 m und mit 18,65 m im Kugelstoßen seinerzeit für Bahnrekorde sorgten. Den Vergleich verlor unsere Stadtauswahl mit 27:49 Punkten. Beste SVN-Leistungen erzielten Günter Leitz im Kugelstoßen mit 13,28 m sowie Hans Schostok über 400 m mit 53,2 Sekunden und im Weitsprung mit 6,96 m.

  • 1967-1971

    Ein kurzes Zwischenhoch

    Gerade durch die weitere Initiative vom amtierenden SVN-Vorsitzenden Philipp Wesp (1967 bis 1971), der durch seine berufliche Stellung als Direktor der NSU-Werke großen Einfluss besaß, kam kurzfristig ein neuer Schwung in die Abteilung. Unter Dr. Walter Haberkern und dem alten und neuen Technischen Leiter Artur Matt, bildete sich schließlich 1969 eine neue Spartenführung. Mit der Neubesetzung der Führungsspitze und zusätzlichen Funktionsträgern, sowie auch durch die Förderung der NSU-Werke, bekam die Abteilung dann auch Zuwachs durch neue Athleten. Dadurch wurde im Jahre 1970 zwischenzeitlich auch die Neckarsulmer-Leichtathletik-Gemeinschaft kurz „NLG“ gegründet. Aber auch diese Bündelung der Kräfte konnte nur ein zwischenzeitliches Hoch der Abteilung bewirken. Nach und nach verebbte die anfängliche Euphorie, zumal gleichzeitig auch die Unterstützung durch die Industrie nachließ.

    1967-1971

  • ab 1974

    Neuaufbau

    Nach einer weiteren Durststrecke in der SVN-Leichtathletik wurde dann ab 1973 im sportlichen Bereich ein Neuaufbau vorangetrieben. Dies war zunächst auf die Initiative von Trainer Werner Krauß mit seiner gezielten und kontinuierlich durchgeführten Trainingsarbeit zurückzuführen. Zusammen mit der 1973 in der Hauptversammlung neugewählten Spartenführung unter Gerd Geyer und seinem Stellvertreter Karl-Heinz Leitz, festigte sich jetzt allmählich auch wieder die gesamte Abteilung.

    Jetzt bildete sich vor allem auch eine Sport-Kameradschaft innerhalb des „harten Kerns“ der Sparte. Dies war dann der Beginn einer neuen, langen-, bis in die heutige Zeit noch anhaltende erfolgreichen Ära. Unterstützt durch diese Sportkameradschaft brachte es die damalige Spartenführung mit viel Einsatz und neuen Ideen fertig, Impulse für ein geordnetes Vereinsleben zu geben. Durch dieses positive Zusammenspiel kam dann auch schon ab 1976 wieder der sportliche Erfolg. Gleichzeitig wurden ab dieser Zeit zahlreiche Festles-Termine ins Leben gerufen, welche heute noch Bestand haben und mittlerweile zur Tradition geworden sind.

    Angefangen mit dem Glühweinfest zum Anfang des Jahres an der „Herzleshütte“, über das 1. Mai-Fest mit Wanderung, dem Finsterrot-Zeltlager der Senioren im Sommer, bis hin zur Teilnahme beim Ganzhornfest gehen seither die Aktivitäten. Daneben wurden einige Spartenausflüge veranstaltet und seit 1976, auch regelmäßig Jahresabschlussfeiern durchgeführt. Weitere feste Bestandteile im Jahresablauf sind seither die immer wieder durchgeführten Trainingslager und Jugendfreizeiten. Nicht mehr wegzudenken im Spartenleben sind freilich auch die „Athletik-Singers“, die unter der Leitung von Gerd Geyer, bei der 84er Jahresabschlussfeier ihr Debüt hatten.

  • 1987

    Der langersehnte Wunsch

    Nachdem der Leichtathletik-Sport in Neckarsulm lange auf eine zeitgemäße, wettkampftaugliche Kunststoff-Laufbahn warten musste, ging schließlich 1987 am 29./30. August mit der Pichterich-Stadion-Einweihung ein langersehnter Wunsch in Erfüllung. Vorausgegangen war die Sanierung der veralteten Aschenbahn und der gesamten dazugehörigen Anlage. Mit diesen Maßnahmen, die einem Neubau gleichkam, verfügt die Stadt ab diesem Zeitpunkt jetzt über eine moderne Wettkampfstätte, die auch den Wünschen unserer Abteilung entspricht. Hochkarätig war am Einweihungstag unter anderem der erste Leichtathletik-Wettkampf, wo neben unserer 800m-Spitzenläuferin Sabine Zwiener, die gesamte deutsche Frauenelite über diese Distanz antrat.

    Aus diesem Anlass besuchten uns unsere Leichtathletik-Freunde aus der Partnerstadt Carmaux/Frankreich und festigten die ein Jahr zuvor geschlossene Freundschaft. Mit einer Rallye der Freundschaft bewältigten diese die Distanz zwischen beiden Städten. Den letzten Abschnitt des langen Weges bestritten wir von Eppingen aus gemeinsam. Neben dem von der Stadt gestalteten Programm hatte unsere Abteilung mehrere Termine für die französischen Sportkameraden eingeplant. Infolge der nun durch die neue Anlage bedingten optimalen Voraussetzungen, bekam die Sparte in der Folgezeit im Nachwuchsbereich immer mehr Zulauf.

    1987

  • 1988

    Führungswechsel in der Abteilung

    Nach einer erfolgreichen 15 jährigen „Dienstzeit“ an der Spitze der Abteilung, trat der bisherige Leiter Gerd Geyer, im November 1988 zurück. Er, der 1983 den erfolgreichen Lauftreff gegründet hatte, widmet seither dafür sein ganzes sportliches Engagement. Im Rahmen der diesbezüglich einberufenen außerordentlichen Hauptversammlung wurde Richard Bauder zu seinem Nachfolger und damit zum neuen Spartenleiter der Leichtathleten gewählt.

  • Umbenennung SV Neckarsulm in Neckarsulmer Sport-Union

  • Generationenwechsel der langjährigen Vorstandschaft

  • Umbenennung Neckarsulmer Sport-Union in Sport-Union Neckarsulm

  • heute

    Fazit

    Höhen und Tiefen gab es innerhalb der Abteilung immer wieder, wenn man die Geschichte der Leichtathleten zurückverfolgt. Immer deutlicher wird aber dabei die Erkenntnis, dass ohne Breitensport kein Spitzensport möglich ist. Ein ganz wichtiger Faktor für das intakte Vereins- oder Spartenleben sind aber auch die personellen Voraussetzungen. Hier hatte die Abteilung in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder verlässliche und loyale Mitstreiter. Zu einer intakten Abteilung gehört heute aber auch die Vielseitigkeit im Sportangebot. So sind mehrere Standbeine notwendig, um den Bedürfnissen unserer Zeit gerecht zu werden. Neben dem Bereich Wettkampfsport mit zugehöriger Talentsichtung und Nachwuchsarbeit, gewinnt künftig der Breiten- und Freizeitsport immer mehr an Bedeutung. Nur wer hier die richtige Mischung anbieten kann, wird in Zukunft für Mitglieder noch attraktiv sein.